Export nach England – Darauf ist zu achten

finanzenDer 23. Juni 2016 ist bereits als historischer Tag in die europäische Geschichte eingegangen: Die Wählerinnen und Wähler zeigten einem (ihrer Ansicht nach) zu viel Geld fressenden und zu bürokratischem Europa die rote Karte und stimmten in einer Volksentscheidung unerwarteterweise für den Austritt aus der Europäischen Union. Diese Absichtserklärung bzw. dieser Wählerauftrag sind zwar noch nicht vollständig umgesetzt, dennoch ist Handeln in England bereits seit kurzem wieder etwas komplizierter und herausfordernder geworden.

Änderungen mit Bezug auf Zollrecht, Exportgenehmigungen etc. erst 2019 zu erwarten

Wenn Sie den Export nach England rein juristisch betrachten, dann hat sich für Sie und geschäftliche Partner in England (noch) nicht viel geändert. Der Brexit ist noch nicht in nationale und europäische Gesetze gegossen, die Steuerlast und Abgaben haben sich noch nicht verändert. Deshalb kann der Warenexport (und -import) weiterhin uneingeschränkt laufen. Vorsicht ist allerdings bei allen langfristigen Investitionen wie in Maschinen, Fabriken oder auch Immobilien geboten: Niemand kann aus der heutigen Betrachtungsweise heraus verbindlich sagen, ob und wann es nach 2019 zu Änderungen von Regionalförderungen, EU-Hilfen (beispielsweise der Agrarförderung) und ähnlichem kommen wird.

Deshalb sollten die Alarmglocken immer dann bei Neuinvestments schrillen, die einen langfristigen Planungshoizont haben und bei denen EU-Gelder mit im Spiel sind.

Vorsicht: Erhöhte Exportrisiken nach dem Brexit – trotz vorerst unveränderter Rechtslage!

Als Exporteur können Sie schon jetzt die Auswirkungen spüren, da sich wesentliche Merkmale des Länderrisikos Großbritanniens schlagartig verändert haben:
1.) Bei Preisvereinbarung in Britischen Pfund: Seit dem Brexit ist das Britische Pfund um mehr als 15 % gesunken. Wenn Sie also klassische Waren oder Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe exportieren, dann kann es sein, dass jeder weitere Export größere Löcher in Ihre Gewinn- und Verlustrechnung reißt. Bei neuen Aufträgen entweder eine Währungsklausel vereinbaren oder aber einen Festpreis in Euro. Dann würde der englische Importeur seinerseits das Währungsrisiko absichern müssen. Dies würde auch für Dienstleistungen gelten, aufgrund der höheren Bruttoverdienstspannen müssten die meisten Gewerke gerade noch so an der „schwarzen Null“ arbeiten.
2.) Die allgemeine Stabilität wird abnehmen: Das Länderrisiko Großbritanniens wird insbesondere im Übergangszeitraum 2017-2019 durch erhebliche Schwankungen gekennzeichnet sein. Einige Branchen werden Großbritannien zumindest teilweise den Rücken kehren, für andere wird der Kostenvorteil durch das gesunkene Pfund entscheidend bei der Standortwahl werden. Deshalb können bisherige Trends nicht einfach fortgeschrieben werden. Es wird zu Trendbrüchen kommen.

Sicherlich wird es einige Boom-Branchen und einige schwächelnde Branchen wegen dem Brexit geben. Die Frage Ist der Brexit Betrug? kann jedenfalls eindeutig verneint werden: Das gesamte „Exit-Verfahren“ bewegt sich innerhalb des geltenden Rahmens der europäischen Verträge. Oder deutlich gesprochen: Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hätte bei den enorm steigenden Forderungen zur Griechenland-„Rettung“ jederzeit ein „Exit“-Verfahren initiieren und damit die sogenannte Europäische Union verlassen können.

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